Devisenhandel und Devisengeschäfte

 

Institutionalisiert wird der Devisenmarkt durch den Devisenhandel. Darunter wird im engeren Sinne der Interbankenmarkt im Rahmen des Kundengeschäfts und Eigenhandels verstanden. Hier handeln international tätige Kreditinstitute in Form standardisierter Devisengeschäfte auf der Grundlage anerkannter Handelsusancen mit dem Handelsobjekt Devisen. Devisengeschäfte wiederum bestehen aus den Grundformen Devisenkassa- oder Devisentermingeschäft sowie den daraus abgeleiteten („Derivate“) Devisenswapgeschäften und Devisenoptionsgeschäften.

Devisenkassageschäfte

 

Von Devisenkassageschäften (auch „Spotgeschäft“) wird gesprochen, wenn zwischen dem Tag des Geschäftsabschlusses und dem Tag der Erfüllung der beiderseitigen Ansprüche ein Zeitraum von maximal zwei Bankarbeitstagen liegt. Am Tag der Erfüllung liefert der Verkäufer die verkauften Devisen auf das vereinbarte Konto, während der Käufer der Devisen den vereinbarten Gegenwert zu leisten hat. Es handelt sich mithin um einen reinen Währungstausch.

Devisentermingeschäfte

Bei Devisentermingeschäften (auch „Sologeschäft“ oder „Outrightgeschäft“ genannt) liegt zwischen dem Tag des Geschäftsabschlusses und dem Erfüllungstag ein Zeitraum von mindestens 3 Arbeitstagen oder 1, 2, 3, 6, 12 oder mehr Monate, wobei beide Vertragsparteien die am Tag des Geschäftsabschlusses vereinbarten Bedingungen (insbesondere Devisenkurs) unabhängig davon zu erfüllen haben, ob sich die aktuelle Kurssituation verändert hat. Aus diesem Grunde gehört das Devisentermingeschäft zu den Kurssicherungsgeschäften.

Devisenswapgeschäfte

Bei einem Devisenswapgeschäft (eng. „to swap“ = tauschen) handelt es sich um die Kombination eines Kassageschäftes mit einem Termingeschäft, und zwar werden Devisenkassakauf mit Devisenterminverkauf oder umgekehrt getauscht. Dabei wird gleichzeitig der Tausch zweier Währungen zum Tag des Geschäftsabschlusses und der Rücktausch zu einem späteren Zeitpunkt vereinbart. Wegen der Kombination mit einem Termingeschäft ist auch das Swapgeschäft ein Kurssicherungsgeschäft.

Devisenoptionsgeschäfte

Eine Devisenoption ist eine Vereinbarung, die dem Optionskäufer das Recht einräumt, eine Währung zu einem bestimmten Kurs und zu einem bestimmten Zeitpunkt oder innerhalb eines Zeitraumes zu beziehen oder zu liefern. Für dieses Recht zahlt der Käufer dem Verkäufer einen Preis (Optionsprämie). Der Verkäufer der Option übernimmt dafür die Verpflichtung, die Währung zu liefern oder entgegenzunehmen.

Preisbildung in der makroökonomischen Theorie

Das Angebot stellen die Nettoauslandsinvestitionen dar, also das Angebot an Devisennachfrage. Sie sind unabhängig vom realen Wechselkurs (nur abhängig vom Realzins auf dem Kreditmarkt). Die Nachfrage kommt durch die Nettoexporte zustande, also die Nachfrage nach Devisenangebot. Aus dem Marktgleichgewicht ergibt sich Nettoexporte = Nettoauslandsinvestitionen. Devisenmarkt und Kreditmarkt hängen über die Auslandsinvestitionen zusammen.

Handelsusancen

Unter Handelsusance oder Handelsbrauch versteht man nicht schriftlich oder gar gesetzlich festgelegte, aber dennoch durch die Vertragspartner akzeptierte Geschäftsbedingungen, die den abgeschlossenen Devisengeschäften verbindlich zugrunde gelegt werden und den vorherigen Vertragsverhandlungen etwa am Telefon vorausgehen. Unter Kaufleuten müssen demnach nicht nur Gesetze beachtet werden: Die Beteiligten haben auch auf die „im Handelsverkehr geltenden Gewohnheiten und Gebräuche Rücksicht zu nehmen". Mit „Handelsverkehr" ist dabei auch der Devisenhandel gemeint, darüber hinaus jedoch auch alle anderen Gewerbezweige. Die jeweiligen Gepflogenheiten werden vom Gesetzgeber weder genauer bezeichnet noch lassen sie sich dauerhaft definieren oder konkretisieren. Im Zweifel prüfen Gutachter der Industrie- und Handelskammern, ob im betreffenden Fall tatsächlich ein unter bestimmten Kaufleuten der Region üblicher Handelsbrauch vorliegt oder nicht. Zu den internationalen Handelusancen gehört die Erfüllung der Kassageschäfte genau zwei Werktage nach Geschäftsabschluss.

Grund für die meisten ungeschriebenen, aber rechtsverbindlichen Handelsbräuche ist die Beschleunigung von Geschäftsabschlüssen zwischen geschäftserfahrenen Vertragspartnern. Usancen sorgen dafür, dass die Kommunikation auf das notwendigste Maß beschränkt werden kann. Die Bedeutung bestimmter Verständigungskonventionen (etwa Gesten im Parketthandel) ist jedoch durch moderne IT-Technik stark zurückgegangen. Computer ermöglichen unmissverständliche und beweisbare Willenserklärungen binnen Bruchteilen von Sekunden.

Handel

Wie bei jedem Rechtsgeschäft besteht auch das Devisenhandelsgeschäft aus Leistung und Gegenleistung: Euro wird gegen Dollar oder Dollar gegen Yen getauscht. Deswegen werden Währungskurse auch immer in Paaren angegeben, zum Beispiel „EURUSD 1.5933“: Für einen Euro sind 1,5933 US-Dollar zu zahlen. An diesem Beispiel sieht man auch, dass die Quotierung bei vielen Währungspaaren bis zur vierten Stelle hinter dem Komma erfolgt. Im Handel zwischen Banken und größeren Unternehmen werden die Kurse inzwischen mit 5 oder 6 Kommastellen (so genannte „pips“) quotiert. Hintergrund ist die Einführung des Euro und der zunehmende Konkurrenzdruck der Handelspartner. Die Einführung des Euro hat im Vergleich zur Deutschen Mark die Marge halbiert.

Der Handel verläuft dabei nicht zentral über eine Börse, sondern meist direkt zwischen Finanzinstituten über entsprechende Händlernetze. Zunehmend sind unter den Teilnehmern auch Konzerne, Broker und private Spekulanten. Gehandelt wird rund um die Welt und üblicherweise ausschließlich werktags (der Dollar wird an US-Feiertagen nicht gehandelt; der Euro nicht am 1. Mai) rund um die Uhr (So 23h – Fr 23h MESZ), so dass die beteiligten Investoren jederzeit auf relevante Ereignisse reagieren können. Online-Händler haben dafür gesorgt, dass auch während des Wochenendes Währungen gehandelt werden können. Bei der Gefangennahme Saddam Husseins an einem Wochenende waren Marktteilnehmer in der Lage, den daraus resultierenden kurzfristigen Dollaraufschwung am Devisenmarkt zu nutzen.

Gehandelte Währungen

Am häufigsten gehandelt werden die Währungen der größten Wirtschaftsräume (US-Dollar, Euro, Yen) sowie Währungen aus Ländern mit starken Finanzplätzen (z. B. Britisches Pfund und Schweizer Franken).

Folgende Liste zeigt eine Übersicht der wichtigsten Wechselkursrelationen:
 

USDCHF 
US-Dollar zu Schweizer Franken
USDJPY 
US-Dollar zu Japanischer Yen
GBPUSD 
Britisches Pfund zu US-Dollar
EURUSD 
Euro zu US-Dollar
EURCHF 
Euro zu Schweizer Franken
EURJPY 
Euro zu Japanischer Yen
EURGBP 
Euro zu Britisches Pfund

Das höchste Handelsvolumen weist dabei das Paar EURUSD auf (ca. 28 % aller Trades), gefolgt von USDJPY (ca. 17 %) und GBPUSD (ca. 14 %).

Marktaufsicht

Eine globale Aufsicht über die Devisenmärkte gibt es weltweit nicht. Beaufsichtigt werden auf nationaler Ebene allenfalls einige Marktteilnehmer. Soweit nämlich die Marktteilnehmer als Kreditinstitute gelten, unterliegen sie der Bankenaufsicht ihres Landes. Entgegen viel verbreiteter Auffassung ist in Deutschland der Devisenhandel ein erlaubnispflichtiges Bankgeschäft. Nach § 1 Abs. 1 Nr. 4 KWG gilt als Bankgeschäft „die Anschaffung und die Veräußerung von Finanzinstrumenten im eigenen Namen für fremde Rechung (Finanzkommissionsgeschäft)“. Gemäß § 1 Abs. 11 KWG werden Finanzinstrumente sodann als Wertpapiere, Geldmarktinstrumente, Devisen oder Rechnungseinheiten sowie Derivate definiert. Der Eigenhandel in Devisen ist ebenfalls Bankgeschäft nach § 1 Abs. 1a Nr. 4 KWG.

Die Bankenaufsicht überwacht die Einhaltung der gesetzlichen Regelungen wie etwa in Deutschland der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (BA), in denen die organisatorische Struktur für den Devisenhandel der Banken vorgegeben wird (siehe Eigenhandel). Zudem unterliegen Kreditinstitute aufsichtsrechtlichen Meldepflichten im Hinblick auf Bestandsrisiken bei Devisen nach der SolvV. Nicht glattgestellte Devisenpositionen der Kreditinstitute unterliegen nach den §§ 294 ff. SolvV einer Bindung an die Eigenmittel eines Kreditinstituts. Überschreiten die offenen Gesamtpositionen (nach einer der beiden Alternativen) 2 % der Eigenmittel, sind diese offenen Positionen mit 8 % zu gewichten (§ 294 Abs. 3 SolvV). Damit ergibt sich automatisch eine volumensmäßige Limitierung auch der risikointensiven offenen Positionen des Devisenhandels.

Risikomanagement

Die Risiken im Devisenhandel der Banken bestehen vor allem aus Markt- und Liquiditätsrisiken, die aus der Teilnahme am Devisenmarkt entstehen können. Aus Sicht der Banken entstehen Devisenmarktrisiken durch unerwartete, negative Entwicklungen von Währungskursen, Zinsen und dem Ausfall von Kontrahenten. Andere, nicht zu unterschätzende Gefahren sind operationale Risiken (etwa der Ausfall von Datenverarbeitungssystemen) und rechtliche Risiken (etwa unvorhersehbare Änderungen der devisenmarktrelevanten Gesetzeslage). Die Ausmaße von Devisenmarktrisiken werden durch den Value at Risk gemessen. Der Value at Risk eines Handelsbuches ist die obere Verlustgrenze, die bei einer vorgegebenen Haltedauer mit hoher Wahrscheinlichkeit (z. B. 99 %) nicht überschritten wird.

 

 

 

 

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